Tokio – Der Mixed-Wettbewerb im Golf der Deaflympics 2025 versprach Spannung – und lieferte ein Finale, das in die Geschichte eingehen dürfte. Nur eine Runde, alles oder nichts: Gold, Silber oder Bronze wurden in einem einzigen Showdown entschieden. Und mittendrin die deutschen Hoffnungsträger Allen John und Vanessa Girke – sowie der Außenseiter-Flight Nico Guldan und Stefanie Mayer, deren Tag noch weit größer werden sollte, als irgendjemand es ihnen zugetraut hätte.
🇮🇳 Indien mit Superstar Diksha Dagar – stark, aber entscheidend zu spät gezündet

Die Inder galten als härteste Konkurrenz der Deutschen. Superstar Diksha Dagar, eine Ikone im Damen-Profigolf, und ihr Partner Vibhu Tyagi hatten auf dem Papier beste Chancen. Doch auch sie hatten Momente, in denen der Rhythmus fehlte:
Front Nine:
Par – Par – Bogey – Double Bogey – Par – Par – Par – Par – Bogey
Back Nine:
Par – Par – Par – Par – Par – Par – Par – Eagle! – Par
Die 74 (+2) war zu fehlerhaft – trotz des sensationellen Eagles auf Loch 17. Für Edelmetall reichte es nicht und somit Rang 5.
🇺🇸 Team USA kämpft sich ins Stechen um Bronze und scheitert dramatisch

Die Amerikaner James McGowin Miller und Ashley Grace Johnson hätten man auf Rang sechs einsortiert, wenn man die Einzelleistungen der Vortage summierte. Doch sie überraschten – und retteten sich mit einer 74 (+2) ins Stechen:
Front Nine:
Par – Par – Par – Par – Par – Par – Bogey – Par – Par
Back Nine:
Double Bogey – Par – Bogey – Bogey – Par – Birdie – Par – Eagle – Birdie
Der starke Schlussspurt brachte sie auf Augenhöhe mit Nico Guldan und Stefanie Mayer. Ein Playoff war die logische Konsequenz.
🇩🇪 Nico Guldan & Stefanie Mayer – Außenseiter, Kämpfer, Bronze Medaillengewinner

Wer die Summen der Einzelscores der letzten drei Tage ansah, sah sie nur auf Rang fünf – also knapp im Mittelfeld. Doch Golf schreibt eigene Geschichten. Und diese hier wurde eine deutsche.
Front Nine:
Par – Par – Bogey – Par – Par – Par – Par – Birdie – Par
Back Nine:
Par – Bogey – Par – Bogey – Par – Par – Par – Birdie – Par
Das ergab 73 Schläge (+1) – und die geteilte Führung im Kampf um Bronze mit den USA.
Damit war klar: Das Stechen entscheidet.
🇩🇪 Allen John & Vanessa Girke – Goldfavoriten, aber das Glück fehlt und holten Silber

Sie waren die klaren Favoriten, wenn man die Leistungen der letzten drei Tage zusammenrechnete: Allen John und Vanessa Girke, das deutsche Power-Duo, das in Tokio als geerdete, aber brandgefährliche Einheit auftrat. Ihr Scoreboard begann verheißungsvoll:
Front Nine:
Par – Birdie – Birdie – Par – Par – Par – Par – Bogey – Par
Back Nine:
Par – Double Bogey – Par – Par – Par – Birdie – Par – Par – Par
Am Ende stand eine 72 (Even Par) – solide, aber nicht glänzend. Der leichte Wackler auf Loch 11, das Double Bogey, kostete das Duo die Chance auf Gold. Ohne diesen Fehltritt hätten sie in Tokio vermutlich im goldenen Bereich mitgespielt. Doch im Mixed Final ist kein Fehler verzeihlich – und so blieb ihnen nur die Silbermedaille.
🇨🇦 Das kanadische Wunder – Bowie & Rivard holen sensationell Gold

Niemand hatte sie ganz oben auf der Rechnung: Russell Bowie, aktueller Weltmeister, und Erica Dawn Rivard, die konstante Präzisionsspielerin. Auf Basis der bisherigen drei Tage wären sie „nur“ Gesamtdritte gewesen – doch an diesem Tag spielten sie wie im Rausch:
Front Nine:
Bogey – Par – Par – Par – Par – Par – Par – Birdie – Birdie
Back Nine:
Par – Par – Par – Par – Bogey – Par – Birdie – Birdie – Par
Am Ende: 70 Schläge (-2)
Und damit die Goldmedaille.
Eine reife, stabile Leistung, die in ihrer Disziplin und Nervenstärke unübertroffen war. Kanada stand am Ende ganz oben – verdient und mit einer beeindruckenden Schlussphase.
📖 DRAMA AM STECHLOCH – Der entscheidende Moment um Bronze
Die Sonne stand tief über dem Tokyoter Golfplatz, als die Zuschauer sich rund um das erste Playoff-Loch drängten. Die Luft vibrierte – nicht nur vor Spannung, sondern auch vor der Erkenntnis, dass jetzt jeder Schlag Geschichte schreiben konnte.
1. Schläge vom Tee

Stefanie Mayer trat als Erste ans Tee. Sie atmete tief durch, rollte ihre Schultern zurück und schwang. Der Schlag war sauber, kraftvoll und zielstrebig – und der Ball landete mittig auf dem Fairway. Ein guter Auftakt.
Ashlyn Johnson folgte. Auch sie traf das Fairway etwas näher als Stefanie. Das Playoff startete erstaunlich ausgeglichen.
2. Annäherungsschläge – die Stimmung kippt

Nun war Nico dran. Er nahm ein Eisen, stand ruhig über dem Ball und spielte ihn hoch, weich, kontrolliert – der Ball setzte auf dem Grün auf und blieb etwa 6 Meter rechts vor dem Loch liegen.
Die deutschen Fans jubelten leise, hoffend. Doch dann kam McGowin Miller.

Und er traf einen dieser Schläge, bei denen man sofort weiß: Das wird gefährlich.

Sein Ball setzte nur 1,5 Meter neben der Fahne auf – eine nahezu perfekte Annäherung. Ein Schlag, der normalerweise das Playoff entscheidet.
Ein Raunen ging durch die Menge.
Die Amerikaner waren klar im Vorteil.
3. Der erste Putt – Stefanies Moment
Nun lag es an Stefanie. Sie wusste:
Nur ein Birdie-Putt gibt uns eine Chance.

Sie kniete lange am Grün, studierte jede Kontur. Die Zuschauer hielten den Atem an. Es war mucksmäuschenstill.
Dann stand sie über dem Ball. Ein sanfter Schlag. Der Ball rollte, rollte … er verlangsamte sich … er nahm exakt die richtige Linie …
Doch kurz vor dem Loch verlor er den letzten Hauch Geschwindigkeit.
Er stoppte um wenige Millimeter rechts vor der Lochkante.

Stefanie ging in die Knie, den Schläger hinter den Nacken mit gesenktem Gesicht. Ein Stöhnen ging durch die Menge.
Nico trat an und versenkte den Tap-In. Par.
Aber die Amerikaner hatten noch ihre 1,5 Meter – einen „Muss-putt“, wie Golfer sagen.
4. Der amerikanische Kollaps – Unglaubliches spielt sich ab
Ashlyn Johnson war als Erste dran.
Sie stellte sich hin, nahm Maß … spielte den Putt – und unglaublich:
Der Ball wich hauchdĂĽnn nach links ab und rollte 1,5 Meter ĂĽber das Loch hinaus.

Ein kollektiver Schrei ging durch die Zuschauer. Johnson sackte in die Knie.
Unglaube. Entsetzen. Drama pur.
Dann kam McGowin Miller.
Er musste nur einlochen. Nur diesen Ball – und das Stechen würde weitergehen.
Er atmete tief ein … spielte … Treffer am Lochrand – doch der Ball prallte scharf nach rechts ab und rollte weg.

McGowin fasste an sein Ohr: das darf doch nicht wahr sein!
Dieses Paar hatte zwei absolute Pflichtputts vergeben.
5. Die deutsche Erlösung
Damit war alles entschieden.

Nico und Stefanie standen da, kurz ungläubig, dann löste sich die Spannung in einem einzigen Moment auf.
Sie fielen sich in die Arme.
Das Publikum tobte.
Bronze!
Ein Märchen, das man vorher nicht zu träumen gewagt hätte.

Siegerehrung von v. l. Allen John, Vanessa Girke, Russel Bowie, Erica Dawn Rivard, Nico Guldan und Stefanie Mayer





